Steigende Scheidungszahlen, eine abnehmende Geburtenrate und die Zunahme
der Single-Haushalte gelten in der Öffentlichkeit als Indiz dafür, dass
die Lebensform Familie in die Krise geraten ist. Es wird behauptet, dass
die Gesellschaft die Bedürfnisse der Arbeitswelt zunehmend über die Belange
der Familie stellt. Nostalgisch und manchmal wehmütig wird dabei einer
Familienidylle nachgetrauert, die es jedoch bei näherem Hinsehen nie gegeben
hat. Es zeigt sich vielmehr, dass der Wandel der innerfamiliären Beziehungen
bereits vor längerer Zeit begonnen hat und dass dieser Veränderungsprozess
viel umfassender und tief greifender war als es in der Diskussion über
die heutige Pluralität der Lebensformen zum Ausdruck kommt. Rosemarie Nave-Herz
beschreibt diese innerfamiliären Veränderungsprozesse und spricht sich
für eine Pluralität der Lebensformen aus. Dabei gilt ihr Hauptaugenmerk
dem Wandel der Familienstrukturen und den daraus resultierenden Folgen
für die Erziehung und Bildung sowie für das Freizeitverhalten und den offenkundigen
Abstimmungsproblemen zwischen familiärer und schulischer Sozialisation.