Die 'Gerusalemme conquistata', das bisher wenig erforschte späte Heldenepos Torquato Tassos, ist als Revision der früheren, erfolgreicheren 'Gerusalemme liberata' anzusehen und galt lange Zeit als wenig inspiriertes, den ideologischen Zwängen der Gegenreformation geschuldetes Elaborat des durch Gefangenschaft und psychische Krisen gebrochenen Dichters. Die hier präsentierte Analyse sucht einen neuen Zugang zum Werk und möchte der gedanklichen Vielfalt und Komplexität des Epos gerecht werden.
So bietet die 'Conquistata' eine faszinierende Bilanz der für die Zeit charakteristischen poetologischen, epistemologischen und philosophisch-theologischen Fragestellungen, ohne freilich die differierenden Diskurslinien letztlich zu einer einheitlichen Synthese, um die Tasso schmerzlich gerungen hat, zusammenführen zu können. Gerade die Friktionen, die sich aus dem Gegensatz zwischen erstrebter Univozität und manifester Pluralität ergeben, machen das Werk auch für heutige Leser und Leserinnen interessant.